Interessanter Jahresempfang der Religionen und Kulturen
Sich kennenlernen, mehr voneinander erfahren und dadurch Vorurteile oder Unsicherheiten überwinden – darum ging es am Mittwochabend beim Jahresempfang der Religionen und Kulturen. Der Internationale Kulturverein Pfaffenhofen (IKVP) mit der AG Tisch der Religionen lädt dazu seit 2020 regelmäßig ein, und jedes Mal steht eine andere Religionsgemeinschaft oder Ländergruppe im Mittelpunkt. Diesmal stellte sich die Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde vor.
Viel Schwung in den Saal des evangelischen Gemeindezentrums brachte dabei die rumänische Tanzgruppe unter der Leitung von George Coman mit Tänzen, Liedern und bunten Trachten ihrer Heimat. Ebenso sehenswert und auch köstlich war das rumänische Buffet, das fleißige Frauen vorbereitet hatten und das die Besucher nach dem offiziellen Teil des Abends bei anregenden Gesprächen genießen konnten.
„In Pfaffenhofen muss Raum für jeden Menschen guter Gesinnung sein, unabhängig von seiner Religion“, betonte Bürgermeister Thomas Herker in seinem Grußwort. Ein gutes Miteinander der Religionen und Kulturen gebe es hier bereits seit vielen Jahren in einem „ehrlichen und ernsthaften Dialog“. Herker bedankte sich hier besonders bei Sepp Steinbüchler als „die Person, die den Dialog führt und aufrechterhält“. Steinbüchler seinerseits richtete ein Dankeschön an Marita Emrich, die den Internationalen Kulturverein seit 2021 leitet und als gebürtige Rumänin „die ideale Verbindungsfrau“ zur rumänischen Ländergruppe und zur orthodoxen Gemeinde ist.
Den Einsatz des IKVP für den Zusammenhalt und ein gutes Miteinander in Offenheit und Respekt würdigte der Stellvertretende Landrat Karl Huber. „Gerade in Zeiten, wo manche anderes verbreiten“, sei ein gutes Zusammenleben über Religionen und Kulturen hinweg wichtig, meinte er und betonte: „Vielfalt ist Bereicherung, keine Bedrohung.“
Referent des Abends, war der orthodoxe Pfarrer Pater Dr. Adrian Vasilache aus Landshut. Er stellte die Rumänisch-Orthodoxe Kirche in Bayern vor, und anschließend ging der Pfaffenhofener Pfarrer Constantin Chirila auf die örtliche orthodoxe Gemeinde ein, die seit ihrer Gründung vor sieben Jahren ständig wächst. Die beiden Pfarrer hatten sich 2018 gemeinsam auf die Suche nach einer Kirche gemacht, in der die im Landkreis Pfaffenhofen lebenden Rumänen Gottesdienst feiern könnten. Sowohl bei Bürgermeister Herker als auch bei Stadtpfarrer Albert Miorin waren sie auf offene Ohren gestoßen, sodass die junge Gemeinde seitdem jeden Sonntag die Spitalkirche nutzen darf. „Die Kirche ist für uns nicht nur ein Ort des Gebetes, sondern auch der Kultur, der Solidarität und der Gemeinschaft, um zusammen zu kommen“, erklärte Chirila.
Das griechische Wort orthodox bedeute „rechtgläubig“, erklärte Pfarrer Vasilache, und eine ganz zentrale Bedeutung habe die Eucharistie. Dabei gebe es inhaltlich keinen Unterschied zwischen der griechisch-orthodoxen, russisch-orthodoxen oder rumänisch orthodoxen Kirche: „Nur die Sprache ist anders – und das Land, in dem die Kirche tätig ist.“
In Deutschland, so führte Dr. Vasilache weiter aus, wurde die erste rumänisch-orthodoxe Gemeinde etwa um das Jahr 1860 in Leipzig gegründet, und zwar von rumänischen Händlern, die ihre Waren auf der Leipziger Messe anboten. Die Metropolie Nürnberg, zu der auch Landshut und Pfaffenhofen gehören, gibt es seit 1993. Inzwischen existieren in Bayern rund 30 rumänisch-orthodoxe Gemeinden.
In ihrer Lehre sei die orthodoxe Kirche fast identisch mit der katholischen, erklärte Pfarrer Vasilache. Allerdings lehnen die Orthodoxen das Papstprimat ab. Während die katholische Kirche eine hierarchische Struktur hat, ist die orthodoxe Kirche eine Kollegialkirche, bei der alle Bischöfe gleichgestellt sind. Außerdem dürfen orthodoxe Priester heiraten – „aber nur einmal“, fügte Vasilache hinzu.
Bei den anschließenden Gesprächen, Fragen und Antworten wurde deutlich, dass auch Theologen die anderen Religionen und Konfessionen noch zu wenig kennen und wie wichtig daher solche Begegnungen sind. „Wir müssen miteinander reden, weil wir Vieles nicht voneinander wissen und weil sich Vieles, auch in der Ökumene, weiterentwickelt hat“, meinte Sepp Steinbüchler, der den Abend leitete. „Die rumänische Gemeinde ist eine junge, aber sehr kontaktfreudige und aktive Gemeinde“, erklärte die IKVP-Vorsitzende Marita Emrich. Integration bedeute nicht nur die Sprache zu lernen, führte sie aus, sondern auch, sich an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, um sich schließlich akzeptiert und zugehörig zu fühlen. „Und das machen die rumänischen Mitbürger seit Jahren.“ Dabei würden sie nicht nur ihre Arbeitskraft mitbringen, sondern auch ihre Geschichte, ihre Traditionen und ihren Glauben, was wiederum eine Bereicherung für die Gesellschaft sei. Auch Marita Emrich betonte: „Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Stärke.“


